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Case Study: Mittelständler verbindet Onesto-Buchung mit edi-Abrechnung in 2 Wochen
Digitalisierung scheitert im Mittelstand selten an der Idee. Meist scheitert sie an der Zeit zwischen Entscheidung und Wirkung. Genau das zeigte ein Projekt bei einem mittelständischen Technologieunternehmen aus dem DACH-Raum mit rund 420 Mitarbeitenden, davon etwa 85 regelmässig reisend im Vertrieb, Service und Projektmanagement.
Das Unternehmen hatte ein bekanntes Problem: Reisen wurden in Onesto gebucht, die Abrechnung lief anschliessend in einem separaten Prozess. Dazwischen lagen Medienbrüche, manuelle Übertragungen und ein hoher Abstimmungsaufwand in Finance. Auf dem Papier funktionierte alles. In der Praxis dauerte es zu lange, war fehleranfällig und band Kapazitäten an Stellen, die für ein wachsendes Unternehmen eigentlich produktiver eingesetzt werden sollten.
Die Ausgangslage war typisch für viele CFOs im Mittelstand. Das Unternehmen wollte nicht "noch ein Tool", sondern einen durchgängigen Prozess von der Buchung bis zur Abrechnung. Ziel war es, Reisedaten aus Onesto ohne manuelle Eingabe in edi zu übernehmen, Richtlinien automatisiert abzubilden und die Bearbeitungszeit in der Finanzabteilung spürbar zu senken.
Der Engpass war nicht Software, sondern Integrationslogik
In der ersten Analyse standen zwei Wege im Raum: klassische Middleware oder eine native API-Integration zwischen Onesto und edi. Die Middleware-Variante war zunächst vertraut, weil sie in vielen IT-Landschaften als Standard gilt. Der Haken: Das Projektteam kalkulierte rund acht Wochen für Implementierung, Mapping, Tests und Fehlerbehandlung. Hinzu kamen laufende Kosten für Betrieb, Monitoring und Anpassungen.
Am Ende fiel die Entscheidung bewusst gegen den "sicheren Umweg" und für den direkten Weg per API.
Die native Integration zwischen Onesto und edi war in zwei Wochen produktiv. Das ist nicht nur ein technischer Erfolg, sondern vor allem ein betriebswirtschaftlicher. Wer sechs Wochen früher live geht, realisiert Nutzen früher, reduziert Projektrisiko und entlastet die Fachbereiche schneller. In einem Umfeld, in dem Reisevolumen, Personalkosten und Compliance-Anforderungen steigen, ist Implementierungszeit kein Nebenaspekt, sondern ein echter Wettbewerbsvorteil.
So sah der Prozess vorher aus
Vor der Umstellung mussten Mitarbeitende Buchungsdaten aus Onesto in der Spesenabrechnung teilweise manuell nachvollziehen oder ergänzen. Finance prüfte Belege, vergleicht Reiserouten, kontrollierte Richtlinien und korrigierte Inkonsistenzen. Gerade bei Hotelrechnungen, Umbuchungen oder mehrteiligen Reisen führte das regelmässig zu Rückfragen.
Die Folgen waren messbar:
- hoher manueller Aufwand in der Abrechnung
- verzögerte Monatsabschlüsse durch offene Reisevorgänge
- vermeidbare Policy-Verstösse
- Frustration bei Reisenden und in Finance
Besonders für den CFO war ein Punkt entscheidend: Die Kosten entstanden nicht nur durch den Prozess selbst, sondern durch die Unsicherheit im Prozess. Jede manuelle Schnittstelle erhöht die Fehlerquote, verlängert Durchlaufzeiten und macht Forecasts ungenauer.
Die Integration: API-First statt Middleware-Schicht
Technisch war das Projekt weniger spektakulär, als man vermuten könnte - und genau das war seine Stärke. Die Buchungsdaten aus Onesto wurden über native APIs strukturiert an edi übergeben. Relevante Felder wie Reisender, Reisedatum, Kostenstellenbezug, Buchungskategorien und Belegkontext standen in edi direkt für die Abrechnung bereit.
Die Architektur war schlank:
- Onesto als Führungssystem für Reisebuchungen
- edi als Führungssystem für Abrechnung und Weiterverarbeitung
- direkte API-Kommunikation ohne zusätzliche Middleware-Ebene
- klare Validierungsregeln für Pflichtfelder und Richtlinienlogik
Der Unterschied zur Middleware lag nicht nur in der Geschwindigkeit. Native APIs reduzierten auch die technische Komplexität. Weniger Komponenten bedeuten weniger Fehlerquellen, weniger Wartungsaufwand und geringere Abhängigkeit von externen Integrationsressourcen. In Summe liegt die Implementierung mit nativen APIs erfahrungsgemäss 60 Prozent schneller und die Total Cost of Ownership rund 40 Prozent niedriger als bei einer Middleware-Lösung.
Der Business Impact nach wenigen Wochen
Bereits kurz nach dem Go-live zeigte sich ein klarer Effekt. Das Unternehmen erreichte im integrierten Booking-und-Expense-Prozess eine Zeitersparnis von rund 30 Prozent. Die Zahl der Policy-Verstösse sank um 19 Prozent, weil Buchungs- und Abrechnungsdaten konsistenter vorlagen und die Richtlinien nicht erst im Nachgang geprüft wurden.
Besonders relevant war der Effekt in Finance. Die Bearbeitungszeit pro Abrechnung sank deutlich, Rückfragen an Mitarbeitende gingen zurück, und der Monatsabschluss wurde planbarer. Auf CFO-Ebene ist das kein Komfortgewinn, sondern harte Wirtschaftlichkeit.
Intern rechnete das Unternehmen mit einem ROI innerhalb von weniger als sechs Monaten. Die Begründung war einfach: Wenn sich Projektkosten niedrig halten, laufender Aufwand sinkt und gleichzeitig die Produktivität in Finance und bei den Reisenden steigt, kippt die Rechnung schnell zugunsten der Integration.
Ein Satz des verantwortlichen Finance-Leiters ist mir in Erinnerung geblieben: "Wir haben nicht nur einen Prozess digitalisiert. Wir haben eine Reibungsfläche entfernt." Genau das beschreibt den Kern solcher Projekte. Es geht nicht um ein weiteres System, sondern um weniger operative Reibung.
Was andere Mittelständler daraus lernen können
Erstens: Integrationsgeschwindigkeit ist ein strategischer Hebel. Viele Unternehmen bewerten Projekte zu stark nach Funktionsumfang und zu wenig nach Time-to-Value. Dabei ist die Frage oft nicht, welche Architektur theoretisch alles kann, sondern welche in zwei bis vier Wochen produktiv Nutzen stiftet.
Zweitens: API-First ist nicht nur ein IT-Thema. Wer direkte Integrationen nutzt, verkleinert Projektumfang, senkt TCO und reduziert Abstimmungsaufwand zwischen Fachbereich, IT und externen Partnern. Gerade im Mittelstand, wo Teams schlank aufgestellt sind, ist das ein entscheidender Vorteil.
Drittens: Der grösste ROI liegt meist in den unspektakulären Prozessschritten. Nicht die grosse Innovation bringt zuerst den Effekt, sondern der Wegfall von Doppelerfassung, Rückfragen und Korrekturen.
Drei konkrete Empfehlungen für Entscheider
- Time-to-Value vor Architekturperfektion priorisieren. Wenn eine native API-Integration den Prozess in zwei Wochen stabil abbildet, ist das oft wirtschaftlicher als eine grössere Middleware-Lösung mit längerem Vorlauf.
- Den End-to-End-Prozess betrachten. Buchung und Abrechnung dürfen nicht als getrennte Welten geplant werden. Der Nutzen entsteht erst, wenn Daten ohne Medienbruch durchlaufen.
- ROI mit Prozesskosten statt nur mit Lizenzkosten rechnen. Die eigentlichen Einsparungen liegen in reduzierter Bearbeitungszeit, weniger Fehlern und besserer Compliance.
Für das beschriebene Unternehmen war die Entscheidung rückblickend keine technologische Wette, sondern eine Managemententscheidung mit klarem Fokus: schnell implementieren, Komplexität vermeiden, Wirkung früh realisieren. Genau darin liegt für viele Mittelständler heute der eigentliche Digitalisierungsvorteil.
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