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Expense Intelligence 2025: Was geblieben ist – und was 2026 besser wird

Autor

Carim Chenna

Veröffentlicht am

Edi Team

Am Ende war 2025 nicht das Jahr der Revolution, sondern der Ernüchterung. Expense Intelligence hat gehalten, was die Zahlen versprachen — aber nicht immer, was die Organisationen erwarteten. Die Algorithmen wurden präziser, die Automatisierungsraten stiegen, die Business Cases wurden belastbarer. Und doch blieb in vielen Unternehmen ein bemerkenswerter Widerspruch bestehen: technologisch war vieles möglich, operativ erstaunlich wenig wirklich durchdekliniert.

Das ist die eigentliche Erkenntnis aus 2025. Nicht, dass Expense Intelligence gescheitert wäre. Im Gegenteil. Der Markt hat bewiesen, dass automatisierte Ausgabenprozesse heute messbaren finanziellen Nutzen liefern. Aber er hat ebenso gezeigt, dass der Engpass nicht mehr in der OCR-Qualität oder in der Belegerkennung liegt. Der Engpass liegt in Datenmodellen, Verantwortlichkeiten, Integrationen und Governance.

Wer 2025 nur als weiteres Digitalisierungsjahr liest, verfehlt den Punkt. Es war das Jahr, in dem aus einem Effizienzthema ein Steuerungsthema wurde.

2025 hat den Business Case geliefert

Die zentrale Frage von CFOs war lange simpel: Spart Expense Intelligence wirklich Geld — oder verschiebt sie nur Aufwand zwischen Mitarbeitenden, Shared Services und Softwarebudgets?

Nach allem, was 2025 an Benchmarks und operativen Daten vorlag, ist die Antwort klarer als noch vor zwei Jahren. Ja, der finanzielle Hebel ist real. In reifen Set-ups lag der ROI im Markt bei bis zu 376 Prozent. Automatisierungsquoten von rund 90 Prozent waren in standardisierten Prozessen erreichbar — allerdings unter Bedingungen, die häufig unterschlagen wurden: saubere Stammdaten, klare Reiserichtlinien, definierte Genehmigungslogiken und belastbare ERP-Anbindungen.

Genau hier trennten sich 2025 die belastbaren Fälle von den Marketingfolien.

Die besten Implementierungen haben nicht bloß Belege schneller verarbeitet. Sie haben drei Dinge gleichzeitig verbessert: Bearbeitungszeit, Fehlerquote und Policy-Compliance. Das ist entscheidend. Denn Effizienz ohne Governance ist für Finanzfunktionen nur begrenzt wertvoll. Eine automatische Spesenabrechnung, die falsche Kostenstellen durchreicht oder Mehrwertsteuerpotenziale liegen lässt, ist kein Fortschritt, sondern ein schnellerer Fehler.

Die Produktivitätsgewinne waren dennoch erheblich. Unternehmen, die den gesamten End-to-End-Prozess vom Einreichen über das Matching bis zur Buchung und Erstattung integriert haben, konnten den manuellen Bearbeitungsaufwand drastisch senken. Das galt besonders im Travel-Umfeld, wo Kartentransaktionen, Hotelrechnungen, Taxibelege und Verpflegungsregeln bislang notorisch fehleranfällig waren. Dort zeigte sich 2025, dass Expense Intelligence mehr ist als OCR plus Workflow. Sie wurde zum Kontrollsystem für eine Kostenkategorie, die in vielen Firmen erstaunlich intransparent geführt wird.

Besonders relevant war dabei ein Punkt, der in der Technologieberichterstattung oft untergeht: die Rückgewinnung von Zeit in den Fachbereichen. Wenn Vertriebsmitarbeitende, Berater oder Projektleiter pro Reise nicht mehr 20 oder 30 Minuten mit Nachpflege, Korrekturen und Rückfragen verbringen, entsteht ein Produktivitätseffekt, der in klassischen IT-ROI-Rechnungen oft zu konservativ angesetzt wird. 2025 hat diesen Effekt sichtbar gemacht.

Der große Irrtum: Automatisierung ist nicht gleich Adoption

Und trotzdem blieb ein Teil des Versprechens unerfüllt. Nicht wegen der Technologie, sondern wegen ihrer Einbettung.

Viele Unternehmen haben 2025 erfahren, dass hohe Automatisierungsraten in Pilotphasen nicht automatisch in hohe Nutzungsraten im Alltag übersetzen. Das Problem war selten die App oder die Erkennung. Das Problem war die Prozessrealität.

Da waren etwa Reisekostenrichtlinien, die über Jahre gewachsen, aber nie systematisch vereinheitlicht worden waren. Da waren Organisationen mit mehreren Kreditkartenprogrammen, regionalen Ausnahmen und heterogenen ERP-Landschaften. Und da waren Mitarbeitende, die zwar eine mobile Einreichung begrüßten, aber bei jeder zweiten Ausnahme dennoch manuell nacharbeiten mussten. Die Folge: Friktion. Und Friktion ist der stille Gegner jeder Finanzautomatisierung.

Hinzu kam ein kultureller Punkt, den viele Anbieter unterschätzt haben. Expense ist kein glamouröses Thema, aber ein sensibles. Sobald Erstattungen verspätet, Belege abgelehnt oder Regelverletzungen sichtbarer werden, wird aus einer Prozessoptimierung schnell eine Vertrauensfrage. 2025 hat gezeigt, dass Expense Intelligence dann Akzeptanz findet, wenn Unternehmen Transparenz schaffen: Welche Regeln gelten? Welche Entscheidungen trifft das System automatisch? Wo kann ein Mensch eingreifen? Wo wird eskaliert?

Wo diese Antworten fehlten, blieb die Software ein technischer Layer über alten Konflikten.

Regulierung hat den Markt reifer gemacht — und komplizierter

2025 war auch deshalb ein Wendepunkt, weil Regulierung die Prioritäten verschoben hat. Mit der Ausweitung der CSRD-Pflichten wurde aus dem Reise- und Ausgabenprozess plötzlich ein Baustein der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Das war keine Fußnote mehr.

Denn sobald Unternehmen belastbar ausweisen müssen, welche Emissionen aus Dienstreisen, Hotelauswahl oder Verkehrsmitteln resultieren, reicht eine klassische Spesenlogik nicht mehr aus. Dann braucht es strukturierte, auswertbare Daten, idealerweise direkt aus der Buchung und nicht erst aus einem PDF-Beleg. 2025 wurde deutlich, wie viele Unternehmen hier noch auf einer erstaunlich dünnen Datengrundlage arbeiten. Wer lediglich Kosten erfasst, aber keine kontextualisierten Reisedaten, kann weder belastbar berichten noch intelligent steuern.

Im DACH-Raum kam ein zweiter Aspekt hinzu: Datenschutz und Datenlokalisierung blieben reale Beschaffungsfaktoren. Mit Blick auf nDSG in der Schweiz und die fortlaufende Sensibilität für DSGVO-konforme Verarbeitung waren Architekturfragen 2025 keine juristische Nachlese, sondern Teil der Einkaufsprüfung. Das hat den Markt nicht gebremst, aber professionalisiert. Anbieter mussten nachweisen, wo Daten liegen, wie Modelle trainiert werden, welche Subprozessoren beteiligt sind und welche Auditfähigkeit tatsächlich gegeben ist.

Das war sinnvoll. Es hat aber auch offengelegt, dass ein Teil des Marktes technologisch weiter war als regulatorisch.

Die Marktkonsolidierung war kein Nebengeräusch

Ein dritter Befund aus 2025 betrifft den Markt selbst. Die Konsolidierung war nicht mehr zu übersehen. Partnerschaften, Plattformstrategien und Übernahmen haben die Frage verändert, was Unternehmen überhaupt einkaufen: ein Tool für Spesen, eine Reiseplattform mit Finanzfunktion oder eine Finanzplattform mit Reiselogik.

Die engere Verzahnung von Travel und Expense war dabei nur folgerichtig. Der Markt hat verstanden, dass die eigentliche Effizienz nicht in der nachgelagerten Erfassung liegt, sondern in der Verbindung von Buchung, Zahlung, Richtlinie und Abrechnung. Im Zusammenspiel von TravelPerk und Yokoy wurde diese Logik besonders sichtbar: Wer Reisebuchung, Kartenfluss und Ausgabenkontrolle integriert, reduziert Medienbrüche und schafft bessere Daten.

Aber auch hier gilt: Integration ist nicht automatisch Kontrolle. Viele Unternehmen haben 2025 erlebt, dass Suite-Strategien neue Abhängigkeiten erzeugen. Wer sich stark an einen Anbieter bindet, gewinnt zwar Geschwindigkeit, verliert aber unter Umständen Flexibilität bei ERP, Karte oder regionalen Spezialprozessen. Gerade im Mittelstand war deshalb keine blinde Plattformbegeisterung zu beobachten, sondern eine nüchterne Abwägung: Wo lohnt sich Tiefe, wo bleibt Offenheit wichtiger?

Diese Abwägung wird 2026 noch relevanter.

Die eigentlichen Wendepunkte lagen tiefer

Vier Entwicklungen haben 2025 strukturell verändert.

Erstens: die NDC-Umstellung im Luftverkehr. Was für viele zunächst wie ein Vertriebsthema der Airlines wirkte, hatte handfeste Folgen für Reise- und Ausgabendaten. Tariflogiken, Zusatzleistungen, Umbuchungen und Fare-Families wurden differenzierter, aber auch komplexer. Unternehmen, die auf saubere Reisekostenauswertung angewiesen sind, brauchten dadurch bessere Datenmodelle und robustere Schnittstellen. Die Qualität von Expense Intelligence hing plötzlich stärker von vorgelagerten Buchungsdaten ab.

Zweitens: KI-Integration wurde vom Feature zum Infrastrukturthema. 2025 war nicht das Jahr, in dem „KI“ Expense neu erfand. Es war das Jahr, in dem klar wurde, wo sie tatsächlich nützt: bei Ausnahmeerkennung, Policy-Mapping, Dublettenprüfung, Mehrwertsteuerklassifikation und Anomalieerkennung. Dort stieg die Qualität sichtbar. Weniger überzeugend war vieles, was als generative Assistenz verkauft wurde, aber operativ wenig Substanz hatte. CFOs haben das schnell durchschaut.

Drittens: Embedded Finance gewann an Bedeutung. Virtuelle Karten, automatisches Matching und vorkonfigurierte Zahlungsflüsse haben 2025 einen Teil des alten Spesenproblems elegant umgangen: Was direkt im richtigen Kontext bezahlt wird, muss später nicht mühsam rekonstruiert werden. Der beste Beleg ist oft die Transaktion selbst, angereichert mit den richtigen Metadaten. Das ist kein technischer Nebenaspekt, sondern der wahrscheinlich wichtigste Hebel für 2026.

Viertens: die CSRD-Pflicht hat Expense aus der Backoffice-Ecke geholt. Spätestens seit 2025 ist klar, dass Reise- und Ausgabendaten nicht nur abrechnungsrelevant, sondern steuerungsrelevant sind — für Kosten, Compliance und Nachhaltigkeit zugleich.

Was wird 2026 besser?

Die kurze Antwort lautet: weniger Erfassung, mehr Steuerung.

2026 wird nicht das Jahr sein, in dem Spesen vollständig verschwinden. Aber es wird das Jahr, in dem der manuelle Kernprozess weiter schrumpft. Der nächste Fortschritt heißt Autonomous Expense — nicht als vollmundige Vision, sondern als pragmatische Weiterentwicklung. Gemeint ist ein Prozess, in dem Ausgaben im Moment der Entstehung klassifiziert, geprüft, zugeordnet und weitgehend abgeschlossen werden, statt später rekonstruiert zu werden.

Dafür sprechen drei Trends.

Erstens steigt die Datenreife. Unternehmen haben 2025 gelernt, dass ohne gepflegte Lieferanten-, Karten-, Kostenstellen- und Reiserichtliniendaten keine belastbare Automatisierung möglich ist. 2026 investieren die besseren Teams deshalb nicht primär in mehr Features, sondern in sauberere Modelle und strengere Stammdatenführung. Das klingt unspektakulär, ist aber in Wahrheit der größte Performancehebel.

Zweitens werden Integrationen besser. Die entscheidende Verbesserung liegt nicht in einer noch schnelleren Belegerkennung, sondern in stabileren Verbindungen zwischen Booking, Payment, HRIS, ERP und Reporting. Je geschlossener dieser Datenkreislauf wird, desto weniger muss der einzelne Mitarbeitende noch „beweisen“, was ohnehin systemisch bekannt ist. Das senkt Aufwand und Missbrauchsrisiko zugleich.

Drittens wird die Intelligenz nützlicher, weil sie enger geführt wird. 2026 werden sich die erfolgreicheren Systeme weniger als offene Assistenten präsentieren und mehr als spezialisierte Kontrollmechanismen: Sie erkennen Auffälligkeiten, schlagen Korrekturen vor, dokumentieren Entscheidungen revisionssicher und verbessern die Policy-Durchsetzung ohne theatrale KI-Rhetorik. Genau darin liegt für Finanzabteilungen der Wert.

Auch im regulatorischen Kontext wird 2026 pragmatischer. Unternehmen werden Reise- und Expense-Daten stärker für CSRD-nahe Auswertungen nutzen, aber mit realistischerem Anspruch. Nicht jede Emissionszahl wird auf Knopfdruck perfekt sein. Entscheidend ist, dass die Datentiefe steigt und Methodik nachvollziehbar bleibt.

Die Schlussfolgerung für CFOs ist unangenehm einfach

Expense Intelligence ist kein Tool-Thema mehr. Es ist ein Betriebsmodell.

Wer 2026 bessere Ergebnisse will, sollte drei Fragen stellen. Erstens: Entstehen unsere Ausgabendaten dort, wo die Ausgabe passiert — oder erst Wochen später in der Nacharbeit? Zweitens: Sind unsere Regeln so klar, dass ein System sie verlässlich anwenden kann? Drittens: Haben wir den Mut, Ausnahmen aktiv zu reduzieren, statt sie digital nur komfortabler zu verwalten?

2025 hat gezeigt, was möglich ist: bis zu 376 Prozent ROI, rund 90 Prozent Automatisierung, deutlich weniger manuelle Bearbeitung, bessere Compliance. Aber 2025 hat auch gezeigt, was diese Zahlen verschweigen: Ohne Disziplin in Daten, Prozessen und Governance bleibt Expense Intelligence ein gut aussehendes Frontend für operative Unordnung.

Die gute Nachricht für 2026 ist deshalb keine technologische. Sie ist organisatorisch. Die Werkzeuge sind weit genug. Jetzt müssen Unternehmen entscheiden, ob sie Ausgaben weiter dokumentieren wollen — oder endlich anfangen, sie zu steuern.


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